26. Tag, Donnerstag, 2014-08-21, 94 km/d, 13,5 km/h, Anstieg: 2.272 m, Abstieg: 2863 m, 7 Stunden, Baku

Tag der Ankunft – ein abruptes Ende

In Gabala, wie konnte es anders sein. ging es eine 4-spurige Straße zunächst steil bergab bis zu einem Kreisel am Fuß des Berges. Von dort ging es im spitzen Winkel wieder im 3. Gang bergauf bis zu einer Brücke. Dort überquerte ich ein Trockental, um wieder steil bergab auf eine Höhe von ca. 400 – 500 m zu fahren. So weit, so gut. Kennt man ja vom Vortag.

Nach ein paar Kilometern wichen die Berge weiter zurück und wurden deutlich niedriger. Laut Karte waren sie jetzt nur noch unter 2.000 m hoch. Die Karten zeigten nur noch leichte Steigungen an.

Dennoch ging es wieder auf diese Berge zu. Nichts ahnend, was kommen könnte, fuhr ich wieder im 3. Gang gemütlich bergan. Es wurde zunehmend steiler, bis ein Schild eine Steigung von 12 % ankündigte. Das bedeutet: Schieben! Und diese Schiebesteigung hatte es in sich. Alle 50 m musste ich in der prallen Sonne anhalten und eine Pause machen. Das kostet Kraft und Wasser.

Dann kam zu allem Überfluß auch grade in einem Moment, wo es so steil war, dass ich das Fahrrad kaum halten konnte, ein Hund aus dem Gebüsch wie aus dem Nichts und versuchte, mich in die Wade zu beißen. An mein Abwehrspray kam ich nicht, da ich Mühe hatte, das Fahrrad zu halten und den Hund wegzutreten. Soll mir einer nochmal sagen, wilde Hunde sind doch so süß und überhaupt nicht gefährlich … Das hat er sicherlich noch nie getan.

Der Höhenmesser erreichte mittlerweile 700 m. Hört das denn niemals auf? Es wurde etwas flacher und ich konnte im 1. Gang wieder fahren. Bis zur 2. Schiebesteigung. Nicht ganz so steil, dafür doppelt so lang. Ich war ziemlich am Ende. Mein Wasservorrat neigte sich schon wieder zusehendst, obwohl ich 6 Liter gekauft hatte. Und es war grad mal Mittag.

Bei 986 m ü. N. N. war Schluss. Höchste Erhebung der ganzen Tour. Die Höhenlinien zeigten 600 m an. Damit hatte ich nicht gerechnet. Oben gabs ein Restaurant ohne Essen, aber mit Wasser.

Nach einer Abfahrt auf 920 m blieb die Strecke erstmal auf diesem Niveau. Eine wunderschöne Aussicht auf den Kaukasus, die umliegenden Berge und die vom Schmelzwasser tief eingeschnittenen Täler. Klasse.

Ich fuhr wie auf einem Bergkamm Richtung Samaxi, dass ich bereits als Tagesziel ausgesucht hatte. Die Täler rechts und links rückten immer näher heran. Ich blieb auf ca. 900 m Höhe, die Täler lagen ungefähr 500 m tiefer. Ein alpiner Anblick.

Dann plötzlich tauchte in der Ferne auf einer Kuppe Samaxi auf, Ziel des Tages, ca. 10 km entfernt. Doch zwischen uns lag auf einmal quer ein tiefes Tal mit einer Brücke, 500 m tiefer, sehr steile Abfahrt und ebenso steiler Aufstieg. Keine Bahnanbindung in der Nähe oder Buslinien mit großen Bussen, die mein Fahrrad hätten mitnehmen können.

Die Sonne stand schon tief. Zum Glück hatte ich ein Zelt und ausreichend Wasser. Mit diesem Tag hatte ich bereits abgeschlossen.

Der Abstieg war so steil, dass ich häufiger daran dachte, abzusteigen und das Fahrrad bergab zu schieben, da die Bremsen sonst zu heiß werden und versagen können. Unten angekommen taten mir die Hände vom bremsen weh. Auch das hatte ich noch nicht.

Gerade wollte ich es mir auf der Brücke auf 420 m gemütlich machen, als ein Kleintransporter mit quietschenden Reifen neben mir anhielt. Ein kleiner Fahrer sprang heraus und fragte, ob er mich den Berg mit hochnehmen solle. Es sei extrem steil

Da gibt es nichts zu überlegen. Wir wuchteten das Fahrrad, so, wie es war, in den Laderaum und los gings in wilder Fahrt.

Er sagte, er fahre jetzt nach Baku und fragte, ob ich nicht mitkommen möchte. Es wäre besser. Ich nahm den Vorschlag sofort an.

Auf det Fahrt wurde mir klar, warum er mir zur Mitfahrt geraten hat. Wir fuhren durch Wüste und Talstrecken, wie ich sie gerade durchfahren bin. Baku war noch ungefähr 100 km von der Brücke entfernt, normalerweise eine Tagestour. Nur unter den Umständen hätte ich mindestens 3 Tage benötigt.

So fuhr ich mit nach Baku und suchte mir mitten in der Nacht ein Hostel.

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